KOMMENTAR VON KIRAN MATTY, COUCHBASE CONTEXT ENGINEERING ENTSCHEIDET ÜBER DEN
ERFOLG VON KI-AGENTEN
20.03.2026 Von Kiran Matty 4 min Lesedauer
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Sobald KI-Agenten nicht nur Texte generieren, sondern Entscheidungen treffen,
Tools aufrufen oder Prozesse anstoßen, entscheidet die Qualität der
bereitgestellten Informationen über ihren Erfolg. Wie man hier strategisch
vorgeht, damit Agenten mit dem bestmöglichen Informationsmix arbeiten, erklärt
das Konzept des Context Engineering.
Unternehmen verfügen über große Mengen strukturierter und : Tickets, E-Mails, ,
Dokumente, Datenbankeinträge. Vieles davon wäre für einen Agenten potenziell
relevant. Naheliegend wäre es dementsprechend, möglichst viele dieser
Informationen direkt als Kontext an ein Sprachmodell zu übergeben. Genau das
funktioniert jedoch nicht.
Zum einen sind Context Windows auch bei modernen Modellen endlich. Selbst sehr
große -Limits sind kein Ersatz für Selektion, denn jeder zusätzliche Token
verursacht Kosten, erhöht die Latenz und kann die Modellleistung verschlechtern.
Zum anderen sind Unternehmensdaten häufig nicht kuratiert. Sie enthalten
Wiederholungen, Nebenstränge, interne Diskussionen, alte Versionen, Ausnahmen
und Widersprüche. Wird dieser Sumpf ungefiltert übergeben, verliert das Modell
schnell den Kern der Aufgabe und die relevanten Daten aus dem Blick.
Auch das andere Extrem führt zu Problemen. Erhält ein Agent zu wenig Kontext,
beginnt er zu halluzinieren oder trifft Annahmen, die fachlich nicht gedeckt
sind. Die Herausforderung besteht also darin, genau den Kontext bereitzustellen,
der für die jeweilige Aufgabe notwendig ist. Context Engineering beschreibt die
Arbeit, das beherrschbar zu machen.
WAS CONTEXT ENGINEERING UMFASST
1. Tool-Auswahl: -Agenten arbeiten selten isoliert. Sie rufen APIs auf, greifen
auf Datenbanken zu oder lösen Aktionen in externen Systemen aus. Wird einem
Agenten ein vollständiger Werkzeugkasten präsentiert, steigt die
Wahrscheinlichkeit falscher oder ineffizienter Tool-Aufrufe.
Effektives Context Engineering sorgt dafür, dass ein Agent nur diejenigen Tools
kennt, die für die aktuelle Anfrage relevant sind – inklusive klarer
Beschreibungen und stabiler Schnittstellen.
2. Memory: Agenten arbeiten selten in einem einzigen Schritt. Sie führen
Dialoge, lösen Aufgaben in mehreren Iterationen und knüpfen Entscheidungen an
vorherige Ergebnisse. Ohne Gedächtnis entsteht ein System, das zwar eloquent
wirkt, aber bei jeder Rückfrage wieder bei Null beginnt.
Damit Agenten konsistent agieren können, müssen sie Informationen also
speichern. Es hilft, unterschiedliche Arten von Gedächtnis zu unterscheiden,
weil sie in Anwendungen unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Profile Memory umfasst stabile Informationen über Nutzer oder Systeme, etwa
Rollen, Berechtigungen, bevorzugte Sprache oder Zuständigkeiten. Semantic Memory
speichert Fakten, beispielsweise Produktwissen oder definierte
Unternehmensbegriffe.
Episodic Memory hält konkrete Ereignisse fest: Was ist in einem früheren Fall
passiert, welche Entscheidung wurde getroffen, welche Ausnahme wurde genehmigt.
Conversational Memory fasst den Verlauf eines Dialogs zusammen, um
Wiederholungen zu vermeiden und Anschlussfähigkeit herzustellen. Procedural
Memory beschreibt Abläufe: Welche Schritte sind in einem Prozess üblich, welche
Reihenfolge ist vorgesehen, welche Regeln gelten.
In Multi-Agenten-Setups kommt ein gemeinsamer Working Memory hinzu, über das
Agenten Zwischenergebnisse austauschen, damit nicht jeder dieselbe Recherche
durchführt.
Eine zentrale Herausforderung ist das sogenannte Memory Decay. Würde ein Agent
alle Informationen dauerhaft behalten, wäre das Context Window schnell
überfüllt. Gleichzeitig dürfen relevante Informationen nicht zu früh verloren
gehen. Nutzerpräferenzen können über Monate relevant sein, während einzelne
Gesprächsdetails nach einer Session an Bedeutung verlieren. Context Engineering
muss daher festlegen, welche Informationen mit welcher Halbwertszeit gespeichert
werden. Die richtige Balance zu finden, bleibt eine der anspruchsvollsten
Aufgaben.
3. Prompt Engineering: Prompts definieren Rolle, Verhalten und Grenzen eines
Agenten. Kleine Änderungen können große Auswirkungen haben. Deshalb sollten
Prompts versioniert, getestet und gezielt ausgewählt werden, statt sie statisch
in Code zu verankern.
4. Retrieval: Statischer Kontext reicht in dynamischen Umgebungen nicht aus.
Relevante Informationen müssen in vielen Fällen live abgerufen werden. (RAG) ist
hierbei der gängigste Ansatz. Inhalte werden über Vektorsuche oder strukturierte
Abfragen selektiert und in den Prompt integriert. Die Auswahl an konsistenten
Quellen ist hier der entscheidende Erfolgsfaktor.
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Stand: 08.12.2025
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ARCHITEKTUR STATT BASTELLÖSUNG
In vielen Projekten wachsen diese Context-Lösungen nebenbei. Ein paar Prompts
hier, ein Vector Store dort, ein selbstgebautes Memory-System an anderer Stelle.
Das funktioniert für Prototypen, skaliert aber schlecht.
Mit Context Engineering klappt es langfristig besser. So sammelt der Agent
zunächst kontextrelevante Informationen wie passende Tools aus einem Katalog,
relevante Dokumente aus einem Vector Store, verdichtete Gesprächshistorien aus
Memory-Systemen sowie strukturierte Daten aus operativen Datenbanken. Erst
dieser konsolidierte Kontext wird an das Sprachmodell übergeben.
Innerhalb eines Agent-Frameworks läuft anschließend ein Reasoning Loop ab, bei
dem das Modell entscheidet, welche Tools aufzurufen sind und ob weitere Agenten
eingebunden werden müssen. Die Ergebnisse fließen wiederum in den Memory zurück.
Sobald mehrere Agenten oder mehrere Interaktionen beteiligt sind, können
widersprüchliche Informationen vorkommen. Context Engineering muss daher auch
Regeln zur Konfliktauflösung vorsehen. Zeitstempel, Quellenangaben und
Agentidentitäten helfen dem Modell, Informationen einzuordnen.
FAZIT
Context Engineering ist ein strategischer Ansatz für den produktiven Einsatz von
KI-Agenten. Wer sich allein auf größere Modelle oder längere Context Windows
verlässt, wird auf Dauer negative Konsequenzen daraus ziehen.
Erst die gezielte Auswahl, Aufbereitung und Verwaltung von Kontext macht Agenten
nachvollziehbar, kontrollierbar und wirtschaftlich betreibbar. Für Unternehmen
gilt deshalb: weniger basteln, mehr Architekturarbeit.
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