IM WIRBEL DER AUTOMATISIERUNG AGENTISCHE KI IN UNTERNEHMEN: ERWARTUNGEN UND
WIRKLICHKEIT
05.06.2026 Von 7 min Lesedauer
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Unternehmen rechnen weiterhin mit rapidem Wachstum durch den Produktivbetrieb
agentischer KI. Zugleich zeigen aktuelle Erhebungen: Mittelstandsfirmen
verlieren 25 Prozent ihrer KI-Budgets durch vermeidbar komplexe Systeme, erst 15
Prozent setzen KI produktiv ein und doch ist KI bereits an 83 Prozent aller
Sicherheitsvorfälle beteiligt.
Eine des SaaS-Anbieters Freshworks mit Beteiligung von 12.000 IT-Führungskräften
weltweit zeigt einerseits: ist quer durch die Branchen gekommen, um zu bleiben.
90 Prozent der befragten Führungskräfte gehen von einem Unternehmenswachstum in
den nächsten 12 Monaten aus, 84 Prozent führen KI als bedeutenden
Wachstumsbeschleuniger an. So rechnen auch fast 90% der Befragten in den
nächsten 24 Monaten mit noch deutlich höheren KI-Ausgaben, nur bei 15 Prozent
sind KI-Systeme allerdings in zentrale Geschäftsprozesse integriert, bei 36
Prozent stecken sie in der Pilotphase.
Erwartungen bleiben dennoch ungebremst hoch. 72 Prozent der befragten
Führungskräfte rechnen mit einem messbaren Return on Investment (ROI) innerhalb
von acht Monaten. Im Schnitt erwarten die Befragten zudem einen
Produktivitätsschub von 13 Prozent bei ihren Mitarbeitern durch KI-Systeme.
IT-ABTEILUNGEN SIND KI-FEUERLÖSCHER
Allerdings verbringen die Teams der Befragten im Schnitt 26 Prozent ihrer Zeit
mit KI-Feuerlöschen, der Fehlerbehebung und dem Komplexitätsmanagement neu
eingeführter KI-Systeme. 86 Prozent der Führungskräfte geben an, die
Arbeitsbelastung ihrer IT-Teams habe sich durch die Verwaltung von KI-Systemen
erhöht, für über drei Viertel ist es ein bedeutendes organisatorisches Problem.
Zu den am meisten beklagten Herausforderungen gehören das Jonglieren mit
KI-Tools und Anbietern (32 Prozent), Schulungen und Arbeit an der
Unternehmenskultur (32 Prozent) und die Vorbereitung der Unternehmensdaten (31
Prozent). KI-Pilotprojekte scheitern dabei in der Praxis primär an komplexer
Systemintegration (27 Prozent), dem Mangel vorbereiteter Fachkräfte und dem
manuellen Konfigurationsaufwand (je 26 Prozent).
REALITÄT FRUSTRIERT ERWARTUNGEN REGULÄR
Wo fast drei Viertel der Führungskräfte einen gewinnbringenden KI-Einsatz
innerhalb von 8 Monaten erwarten, geben 45 Prozent derselben Befragten (hier
begrenzt auf Mittelstandsunternehmen) zugleich an, dass in ihrer Erfahrung ein
KI-Projekt allein von der Projektbewilligung bis zu einem ersten Deployment 6
bis 8 Monate braucht, bei 55 Prozent der Befragten vergehen 6 bis 12 Monate in
der Pilotphase bis zum Produktivbetrieb.
Die deutliche Diskrepanz zwischen Erwartungen und Alltag kann auch ein Ausfluss
des Erfolgsdruckes sein, den IT-Führungskräfte deutlich spüren. 78 Prozent
berichten vom Druck durch die Führungsetage, über vier Fünftel befürchten
Auswirkungen auf ihre Karrierechancen, sollten sie keinen KI-ROI (Return on
Investment) in den nächsten 12 bis 24 Monaten nachweisen.
KI-SLOP IST ALLTAG
Auf der technischen Ebene führen die Befragten vor allem nutzlosen inhaltlichen
Ballast (noise), Fehler und häufige Überarbeitungen als Hauptgründe für die
Frustrationen an, kurz: „AI slop“. Ein knappes Drittel der Befragten zählt die
Überarbeitung von KI-Outputs mit mangelhafter Qualität zu ihren
Hauptherausforderungen.
Neben der Qualität der Outputs beklagen IT-Teams zudem die schiere Zahl der
eingesetzten KI-Tools, 4,2 kommen im Schnitt pro Unternehmen zum Einsatz. Um
komplizierte Compliance-Verfahren zu umgehen, geben dabei zugleich 39 Prozent
der Befragten an, dass ihre IT-Abteilungen selbst Tools ohne Genehmigung
einsetzen und so zur Proliferation von KI-Systemen beitragen.
Einer der Gründe: Zwar haben die Unternehmen bei einem Drittel der Befragten
klare Compliance-Regeln für den KI-Einsatz etabliert. Doch 46 Prozent geben zu,
dass diese inkomplett sind oder inkonsequent eingesetzt werden. Auch aus solchen
Gründen würde eine Mehrheit der Befragten (54 Prozent) bevorzugt auf den Einkauf
von Systemen mit vorbereiteten Workflows statt Eigenentwicklungen umschwenken.
BERICHTSERGEBNISSE IM EINSATZ FÜR DIE UNTERNEHMENSBOTSCHAFT
Freshworks ist ein SaaS-Anbieter für Kunden- und IT-Service-Management. Das in
Indien gegründete und nun in den USA beheimatete Unternehmen betont schnelle
Implementierungszeiten, einsatzbereite KI-Modelle und ein im Vergleich zu
Mitbewerbern wie Zendesk und Salesforce günstigeres Preismodell. Die Ergebnisse
der Studie zu überkomplexer KI als Budgetfresser, der Bedeutung integrierter
Workflows und den Vorteilen umfassend vorbereiteter Plattformen decken sich
somit mit den Kernbotschaften des Unternehmens.
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Stand: 08.12.2025
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≡ Methodologie
Freshworks
Freshworks-Experten befragten für den Bericht im März 2026 12.021
IT-Führungskräfte in den USA, dem Vereinigten Königreich, Deutschland,
Frankreich, Singapur und Indien. Neben Tech-Unternehmen und Telcos haben auch
IT-Abteilungen in den Branchen Finanzen, Gesundheitswesen, Industrie, Logistik,
Versorgungsunternehmen, professionelle Dienstleistungen, öffentlicher Sektor,
Bildungswesen, Einzelhandel und Gastgewerbe teilgenommen.
Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern wurden von der Umfrage
ausgeschlossen, größere Unternehmen dagegen gewichtet nach Mitarbeiterzahl
sortiert, um verschiedene Belegschaftsgrößen von 250 bis über 5.000 Mitarbeitern
zu repräsentieren. Drei Viertel der Befragten stammten dabei aus
Mittelstandsunternehmen (mid-market).
Auswahlkriterien und die genauen Frageformulierungen und Antwortmöglichkeiten
wurden nicht mit veröffentlicht; Freshworks gibt allerdings an,
Forschungsrohdaten auf Anfrage verfügbar zu machen.
Gigamon
Für den Gigamon-Report „2026 Hybrid Cloud Security Survey" befragte das
Marktforschungsunternehmen Vitreous World im Februar 2026 insgesamt 1.023 IT-
und Sicherheitsentscheider. Die Teilnehmer stammten aus den USA (201),
Frankreich (201), Australien (160), Singapur (160), Deutschland (150) und dem
Vereinigten Königreich (151).
Befragt wurden ausschließlich Führungskräfte ab Management-Ebene, darunter 622
C-Level-Entscheider (49 Prozent CISOs, 31 Prozent CTOs, 20 Prozent CIOs). Die
Umfrage konzentrierte sich auf größere Mittelständler und Konzerne: 46 Prozent
der Befragten arbeiten in Unternehmen mit 501 bis 1.000 Mitarbeitern, 54 Prozent
in Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.
GIGAMON-ERHEBUNG: KI IST AN 82 PROZENT DER SICHERHEITSVORFÄLLE IN DEUTSCHLAND
BETEILIGT.
Korrespondierend mit der Freshworks-Studie zeigt eine von Gigamon, wie tief
KI-Systeme und -Tools mittlerweile Cybersecurity-Praktiken von Unternehmen wie
Angriffstaktiken von Kriminellen bestimmen. Auch hier berichten
IT-Führungskräfte von einem Gemenge an KI-Tools, verbunden mit mangelhaften
Governance-Konzepten einerseits und einem Schatteneinsatz von KI-Tools ohne
Genehmigungsverfahren andererseits.
Dabei ist KI in Deutschland mittlerweile an 82 Prozent und weltweit an 83
Prozent der gemeldeten Sicherheitsverletzungen beteiligt. Zwar wurde der
Großteil dieser Vorfälle weltweit durch externe Angreifer verursacht, die
KI-Tools für Cyberattacken einsetzen (41 Prozent der Vorfälle) oder KI-Systeme
der Zielunternehmen anvisieren (33 Prozent). Ursachen durch den internen
KI-Einsatz folgen allerdings dicht hinterher: in je 30 Prozent der Fälle war die
Nutzung nicht freigegebener Tools respektive interne Lecks von Unternehmensdaten
über KI-Systeme an den Sicherheitsvorfällen schuld.
INTRANSPARENZ VON KI-HANDELN EIN HAUPTPROBLEM
Ein Kernproblem bei der Implementierung von KI-Systemen ist laut der
Gigamon-Erhebung mangelnde Transparenz im KI-Handeln. Fast drei Viertel der
Unternehmen klagen über unzureichende Einblicke in KI-gesteuerte Datenströme.
IT-Teams müssen sich mit Sicherheitsauswirkungen auseinandersetzen, können aber
oft nicht nachvollziehen, wie oder warum Daten durch Modelle, APIs und verteilte
Systeme geflossen sind.
Gleichzeitig fehlt 64 Prozent der Sicherheitsteams schlicht ein angemessenes
Budget, um umfassende Anpassungen vorzunehmen und komplexe KI-bestimmte
Workloads abzusichern. Grund dafür sei auch eine gefährliche „Illusion“ einer
gesteigerten Resilienz durch den Einsatz vielfältiger KI-Tools bei in der
Chefetage.
Um der Masse an Warnmeldungen Herr zu werden, greifen immer mehr
IT-Security-Abteilungen selbst zu autonomen KI-Agenten. 53 Prozent der Befragten
geben an, dass die Triage und Priorisierung von Sicherheitswarnungen
mittlerweile ohne menschliches Eingreifen von KI-Systemen initiiert wird. Ein
Gemenge von KI-Tools in der Cybersicherheit liefert dabei mehr verwertbare
Daten, doch wenden über 40 Prozent der IT-Teams dadurch gerade mehr Zeit auf, um
Sicherheitsverletzungen zu erkennen und zu untersuchen, da oft Transparenz und
Kontext fehlen.
CHEFETAGE SETZT IT UNTER DRUCK
Ähnlich wie beim ROI-Druck in der Freshworks-Erhebung zeigt sich auch bei
Sicherheitsvorfällen eine eklatante Diskrepanz zwischen der Chefetage und der
operativen IT-Realität. Fast die Hälfte der befragten C-Level-Manager glaubt,
dass die Ursache eines Sicherheitsvorfalls innerhalb von 72 Stunden
identifiziert werden kann.
Unter den operativ verantwortlichen IT-Führungskräften teilen nur 27 Prozent
diesen Optimismus. Fast die Hälfte der Leiter von IT-Sicherheitsteams rechnet
mit bis zu 7 Tagen, ein knappes Viertel sogar mit bis zu 30 Tagen.
Security-Teams fühlen sich so gezwungen, vorzeitig zu handeln, bevor sie die
Vorfälle angemessen analysieren konnten.
Für über 90 Prozent der IT-Führungskräfte gehört die Schaffung von mehr
Transparenz über KI-Datenströme zu den Top-Prioritäten. 41 Prozent der Befragten
sehen die Aufklärung der Chefetage über die Risiken und Chancen von KI-Systemen
als ihre wichtigste Aufgabe für das nächste Jahr.
Auch Gigamon positioniert sich über die Studienergebnisse. Gigamon ist ein
Anbieter von „Deep Observability“-Instrumenten mit Fokus auf Netzwerk- in
hybriden Cloud-Umgebungen. Genau nach in diese Richtung gehenden Ansätzen sollen
sich auch über 90 Prozent der Befragten sehnen.
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