KÜNSTLICHE INTELLIGENZ SOLL FAHRZEUG STEUERN CHINAS WETTRENNEN UM KI-AGENTEN IM
AUTO
21.05.2026 Von Henrik Bork 5 min Lesedauer
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KI-Agenten waren der wichtigste Trend auf der diesjährigen „Auto China“. Es ist
das bislang sichtbarste Signal, dass die dritte Disruption der
Automobilindustrie begonnen hat. Nach der Elektrifizierung und dem intelligenten
Fahren folgt nun mit Macht das „KI-definierte Fahren“.
Vor allem die chinesischen Hersteller überbieten sich gerade gegenseitig mit der
Ankündigung von KI-Agenten. Nachdem die erste Welle der KI-Adoption im Fahrzeug
vor allem zu besseren Sprachassistenten im Cockpit geführt hatte, soll die nun
auch komplexere Aufgaben übernehmen. Die KI-Agenten sollen nicht mehr nur
plaudern oder Fragen beantworten, sondern Absichten interpretieren, Aufgaben
aufschlüsseln und mehrstufige Handlungsketten wie Bestellung von Essen,
Reservierungen im Restaurant, Bezahlung, Navigation und konkrete
Fahrzeugsteuerung über in einer geschlossenen Schleife ausführen.
KI IST MEHR ALS EIN TOOL
Aus der Stimme im Cockpit soll also ein intelligenter Dirigent werden, der das
ganze Fahrzeug steuern kann. „Mit anderen Worten, der Wettbewerb hat sich von KI
als Chat-Werkzeug entfernt. KI muss nun handeln können", zitierte das
chinesische Internetportal NetEase Zhong Xuedan, VP bei „Tencent Smart
Mobility“. Was dann alles möglich sein soll, zeigt schon mal ein Video über das
E-Auto Zeekr 8X aus dem Geely-Konzern. „Fahre mich, um mein Kind von der Schule
abzuholen, und finde unterwegs ein McDonald's. Ich muss vor 17 Uhr ankommen",
lautet der Befehl, den ein Nutzer dem Auto in dem PR-Video erteilt. Das Fahrzeug
plant darauf selbst die beste Route, schaltet das assistierte Fahren ein, hält
bei einem McDonald's, fährt weiter und parkt schließlich automatisch vor der
Schule. Der Fahrer muss nicht mehr viel selbst tun, außer seinem Kind den
Hamburger zu überreichen und vielleicht danach die Sitze zu putzen.
„Das ist kein Sprachassistent, der irgendwas für Sie recherchiert. Es ist ein
KI-Agent, der Aufgaben für Sie ausführt", beschreibt das chinesische
Tech-Magazin Jike Gongyuan den technologischen Sprung, der da gerade begonnen.
hat. Ab wann der Zeekr 8X mit genau diesen Fähigkeiten ausgeliefert wird, wird
nicht erwähnt. Es soll aber offenbar nicht mehr lange dauern. Bei seiner
Markteinführung am 17. April sollen für den Zeekr 8X innerhalb der ersten 29
Minuten mehr als 10.000 Bestellungen eingegangen sein, heißt es beim Hersteller.
Fachmedien schreiben von der ersten chinesischen Antwort auf das „Grok +
FSD-Modell“ von Tesla.
Entwickelt hat diese agentische Fahrzeug-KI eine eigens für diesen Zweck
gegründete Industrieallianz. Der Autobauer Geely, seine KI-Tochter Afari (Qianli
Technology) und das KI-Startup StepFun haben gemeinsam „Super Eva“ entwickelt.
Es ist eine kombinierte Suite von KI-Agenten, die domänenübergreifend
mehrstufige Aktionen im Auto ausführen kann.
Ermöglicht werden diese Funktionen durch ein von StepFun entwickeltes
multimodales KI-Modell, das Sprach- und Bilderkennung gleichzeitig abdeckt. Es
arbeitet teilweise als Edge-Modell im Fahrzeug, für komplexere Denkaufgaben in
der Cloud. Zwischen der ersten Veröffentlichung des KI-Modells 3.5-Flash und
seinem Einbau ins Auto seien nur etwa 40 Tage vergangen, berichtet die
Wirtschaftszeitung Shangguan Xinwen. Exakt zu überprüfen ist auch das nicht,
gibt aber eine ungefähre Vorstellung von der Geschwindigkeit, mit der solche
oder ähnliche KI-Funktionen ab jetzt in der chinesischen Autoindustrie
ausgerollt werden dürften.
NEUE SZENARIEN MÖGLICH
Auch andere chinesische Hersteller rüsten mit KI-Agenten nach und präsentierten
in Peking erste Ergebnisse. XPeng aktualisierte sein KI-Modell so, dass Befehle
wie „Park in der Nähe des Eingangs zum Einkaufszentrum" auch ohne Karte und
Koordinaten funktionieren. Das Auto navigiert mithilfe von KI allein durch die
Wahrnehmung der realen Welt vor Ort, einfach per Kamera.
Xiaomi wiederum hat gerade ein Update für sein Auto-Betriebssystem HyperOS
freigeschaltet, das während der Fahrt komplexe To-do-Listen abarbeitet,
Restaurants reserviert, Kaffee bestellt und an der Stimme erkennt, ob der Fahrer
gestresst nach Hause kommen wird, um dort schon mal vorsorglich beruhigendes
Licht und sanfte Musik einzuschalten.
Was sich hier in derzeit noch mehr oder weniger beeindruckenden Funktionen
ankündigt, ist das nächste Investitions-Wettrennen in der Autoindustrie. Wer
hier nicht mitspielt, wird bei den verwöhnten chinesischen Autokunden schon bald
nicht mehr ankommen. Huawei hat schon angekündigt, in den nächsten fünf Jahren
mehr als acht Milliarden Euro in die Rechenleistung für intelligentes Fahren zu
investieren.
DEUTSCHE HERSTELLER IN ZUGZWANG
Die deutschen Hersteller, die gerade mit Mühe bei der Elektrifizierung und den
autonomen Fahrfunktionen aufgeholt haben, geraten damit erneut in Zugzwang. BMW
China hat gerade seinen „BMW Intelligent Personal Assistant“ präsentiert, der
auf Alibabas Qwen-Modell aufbaut und in neuen iX3-Modellen sowie im 7er BMW
erhältlich sein soll.
Am weitesten scheint derzeit Volkswagen zu sein, das für die zweite Jahreshälfte
eine Suite von KI-Agenten für alle Autos in China angekündigt hat. Da geht es
nicht mehr nur um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine im Cockpit,
sondern um genau jene Handlungsketten, mit denen auch schon für den Zeekr 8X
geworben wird. „Das Auto sollte wie ein Begleiter sein", erklärt Thomas Ulbrich,
CTO von VW in China.
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Der koreanische Autobauer Hyundai brachte seine vollelektrische Marke Ioniq nach
China, die mit Software des chinesischen Entwicklers Momenta und einem
KI-Assistenten auf einem Qualcomm-Chipsatz arbeitet. „China ist der Ort, an dem
die Zukunft der Mobilität definiert wird, und Hyundai beabsichtigt dabei zu
helfen", betont José Muñoz, Präsident und CEO der Hyundai Motor Company.
WETTLAUF UM BESTE PLATTFORM UND PARTNER
Dieser neue Wettlauf um die beste KI im Auto wird mit großer Sicherheit nicht in
den einzelnen Automodellen entschieden und auch nicht von den
Fahrzeugherstellern allein. Entscheidend ist, wer sich in die besten Plattformen
integriert und die besten Partner findet. KI-Steuerung für das Fahrwerk, im
Cockpit, Anbindung an Bezahl-Plattformen, Kredit- und Bankkarten- sowie
Service-Apps müssen zusammenkommen.
Das ist eine neue große Chance für die großen Internet- und KI-Unternehmen
Chinas, allen voran das für seine Super-APP WeChat bekannte Tencent. „Als
intelligenter Träger, der Hardware und Software integriert und stark mit der
physischen Welt verbunden ist, ist das Automobil prädestiniert für den Einsatz
von KI-Agenten-Szenarien", so Tang Daosheng, Senior EVP bei Tencent. Der Konzern
hat am 23. April eine „offene Plattform für KI-Agenten in der Mobilität für alle
Szenarien" auf den Markt gebracht. Darüber sind sieben Agenten für Bestellungen,
Navigation, Internet-Recherchen, Konnektivität, Infotainment, Pannenhilfe und
Valet-Parking relativ einfach in verschiedene Fahrzeugmodelle zu integrieren.
Solche Plattform-Anbieter dürften für viele OEM interessant sein, zumindest bis
sie eigene KI-Agenten entwickelt haben. Mehr als 100 Automobilhersteller nutzen
derzeit die Tencent Cloud. Die Cockpit-Lösungen von Tencent sind in mehr als 80
Prozent der Automarken Chinas im Einsatz und bislang in rund 18 Millionen
Fahrzeugen installiert, berichtet das Portal NetEase.
An WeChat führt jedenfalls kaum ein Weg vorbei, denn das ist auf fast jedem
chinesischen Handy die „Killer-APP“, mit der gleichzeitig kommuniziert,
recherchiert und alles vom Luxusauto bis zum Abendessen und zur Melone am
Straßenrand bezahlt wird.
Selbst Tesla hat im März 2026 das Cockpit seiner Autos in China durch eine
WeChat-Integration aufgewertet, unter anderem damit Nutzer „Live-Standorte“
direkt aus Chat- und Karten-Apps an die Fahrzeugnavigation senden können. Auch
Alibaba, ByteDance und Baidu arbeiten daran, ihre KI-Großmodelle in möglichst
viele Fahrzeuge zu integrieren.
Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal .
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