SAPPHIRE 2026 SAP: AUTONOMES KI-FEUERWERK IN ORLANDO
19.05.2026 Von 6 min Lesedauer
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Auf seiner Sapphire 2026 hob SAP SE neuerlich das „Autonomous Enterprise“ aufs
Podest. Um deren kritische Geschäftsprozesse zu optimieren, müssten Menschen und
KI nahtlos zusammenarbeiten. Dafür wurde eine ganze Reihe von neuen Produkten
vorgestellt, allen voran die neue Business AI Platform.
Jedes Jahr schießt die SAP anlässlich ihrer zentralen Sapphire-Konferenz Salve
um Salve an Produktnews und anderen Neuheiten ab – so geschehen auch dieses Jahr
in Orlando, Florida. Die Keynotes standen, analog zu denen vieler anderer
IT-Schwergewichte, ganz im Zeichen des „Agentic Enterprise“ – also der
Weiterentwicklung von reiner KI hin zu autonomen Business-Agenten.
SAP-CEO Christian Klein bekundete in seiner Eröffnungs-Keynote, dass er, genau
wie alle Besucher der Sapphire, die künstliche Intelligenz (KI) selbst nutzt,
sowohl beruflich als auch privat. Während es im privaten Umgang ausreiche, zu 80
Prozent akkurate Ergebnisse zu erzielen – ein KI-generiertes Einhorn dürfe dann
auch mal zwei Hörner haben –, müssten die Aussagen der KI zu Business-Themen
jedoch präzise sein. Im Zweifelsfall drohten Wettbewerbsnachteile bis hin zur
Insolvenz: „Für die geschäftskritischen Prozesse unserer Kunden ist 'fast
richtig' einfach nicht gut genug“, so Klein.
Ein großes Problem sei, so der deutsche CEO weiter, dass Large Language Models
(LLMs) in der Regel nicht mit Business-Zahlen trainiert wurden – was aber
unbedingt notwendig wäre, wollte man beispielsweise zutreffende Prognosen von
der KI erhalten. Aus diesem Grund habe die SAP ihr gesamtes KI-Portfolio
business-optimiert. Was nahe liege: Als Experte für ERP sitze man in der
zentralen Position, von der aus der Zugriff auf benötigte Daten – der berühmte
„Kontext“, der sowohl von der SAP als auch von vielen anderen IT-Firmen derzeit
bemüht wird – ein Leichtes sei.
EINFÜHRUNG DER BUSINESS AI PLATFORM
Wie aber fließt das Wissen in die KI ein? Klein nennt dafür die KI-Engine Joule
als bevorzugte Waffe, um LLMs mit Geschäftszahlen in Verbindung zu bringen. Zum
Glück verfüge man in Walldorf über rund 50 Jahre Business-Erfahrung – und diese
habe dabei geholfen, die SAP Business AI Platform als das neue Fundament für den
Aufbau und Einsatz von Unternehmens-KI zu entwickeln. Sie vereint die SAP
Business Technology Platform, die SAP Business Data Cloud und SAPs Business AI
in einer kontrollierten Umgebung.
„Wir haben die SAP Business AI Platform nicht nur selbst gebaut, sondern auch
selbst bei uns angewendet, um unser Produktportfolio in eine wirklich autonome
Suite umzubauen“, berichtete Head of Product & Engineering Muhammad Alam in
seiner Keynote. Das Herzstück bilde der SAP Knowledge Graph, der KI-Agenten eine
strukturierte Karte aller Geschäftseinheiten, Prozesse und Beziehungen über die
gesamte SAP-Landschaft eines Kunden hinweg biete. Als Datengrundlage für die KI
sorge er dafür, dass KI-Anwendungen, allen voran Joule, nicht halluzinierten.
Die Abfragen können in natürlicher Sprache erfolgen.
Zudem könnten via MCP-Server und APIs auch Anwendungen und Datenquellen Dritter
angesteuert werden: „Unser KI-Layer ist agnostisch aufgestellt“, erklärte Klein.
Zur „Agnostik“ trage in diesem Fall bei, dass die Anfang des Jahres vorgestellte
SAP-Lösung zum Erstellen von KI-Agenten, Joule Studio, in den Business-Layer der
SAP integriert sei. Chief Technology Officer (CTO) Dr. Philipp Herzig erläuterte
anschließend auf der Bühne, dass Entwickler damit in der Sprache und dem
Framework ihrer Wahl arbeiten können – von Python über Claude Code bis hin zu
Cursor. Das Ergebnis lasse sich anschließend in einer verwalteten
Laufzeitumgebung bereitstellen, ohne dass man sich um das
Infrastrukturmanagement kümmern müsse. Joule Studio 2.0, das Herzig für den Juni
ankündigte, könne alles noch einmal besser und u. a. KI-Tools von Dritten
verwenden.
„Joule Studio ist unsere KI-Lösung für die Entwicklung von Unternehmensagenten
und agentenbasierten Workflows“, so Herzig. „Entwickler können mit den No-Code-,
Pro-Code- und KI-Frameworks ihrer Wahl auf einer von SAP verwalteten
Infrastruktur arbeiten.“
DIE STUNDE SCHLÄGT FÜR DAS AUTONOMOUS ENTERPRISE
Wozu eigentlich all die Anstrengungen rund um die KI? Natürlich um bessere
Business-Entscheidungen zu treffen, so CEO Klein in seiner weiteren Keynote,
sowie um eine alte Vision der SAP zu verwirklichen: das Autonomous Enterprise.
Auf der Sapphire 2024 hatte sie Klein erstmals präsentiert und erklärt, dass man
ein System plane, das nicht nur Daten erfasst, sondern auch Prozesse
eigenständig steuern könne. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Konzept als das
nächste große Ziel nach dem „Intelligent Enterprise“ positioniert.
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Stand: 08.12.2025
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Dieses autonome Unternehmen bedinge eine einheitliche KI-Plattform zum
Erstellen, Kontextualisieren und Steuern von Agenten sowie eine autonome Suite
zur Ausführung zentraler Geschäftsprozesse, erläuterte Klein nun: „Durch die
Vereinigung der SAP Business AI Platform mit der SAP Autonomous Suite verankern
wir KI-Agenten direkt in den Geschäftsprozessen, Daten und der Governance. So
liefern sie präzise, konforme und sichere Ergebnisse, erschließen neue
Einnahmequellen und ermöglichen signifikante Kosteneinsparungen.“
Besagte Autonomous Suite definiert eine Sammlung von mehr als 50
domänenspezifischen Joule-Assistenten in den Bereichen Finanzen, Lieferkette,
Beschaffung, Personalwesen (HCM) und Kundenbindung. Diese Assistenten wiederum
automatisieren End-to-End-Prozesse, indem sie eine Gruppe von über 200
spezialisierten Agenten orchestrieren. Als Beispiel nannte Klein den neuen
Autonomous Close Assistant, der den Prozess des Finanzabschlusses von Wochen auf
Tage verkürzen könne. „Das ist das erste Mal, dass die primären
Geschäftsanwendungen von SAP darauf ausgelegt sind, Prozesse selbst
auszuführen“, so Klein. Bislang hätten sie vorrangig dazu gedient, lediglich die
Ergebnisse menschlicher Arbeit aufzuzeichnen.
EINE VIELZAHL AN WEITERENTWICKLUNGEN
Wie eingangs angesprochen, werden zur Sapphire stets viele Neuheiten und Updates
präsentiert. Das Unternehmen enthüllte allen voran „Joule Work“, eine KI-Engine
für SAP-Anwender. Das Besondere: Anstatt durch Anwendungen zu navigieren und
Daten in verschiedenen Fenstern einzugeben, sollen Nutzer damit künftig direkt
und ausschließlich mit Joule interagieren können. Eine Schlüsselfunktion von
Joule Work sei die Vernetzung der Nutzer mit den Joule Assistants, die wie
intelligente, nach Funktionen organisierte Teamkollegen agieren. Diese
Assistenten nutzen den Kontext, um die Absichten der Menschen intuitiv zu
erfassen, und handeln, indem sie die entsprechenden Joule Agents
unternehmensweit koordinieren.
Nach Beschreibung eines gewünschten Geschäftsergebnisses koordinierten Joule
Assistants Teams von Joule Agents. „Diese liefern wiederum die passenden
Erkenntnisse und automatisieren Routineaufgaben über Geschäftsbereiche und
Systeme hinweg, um das Ziel zu erreichen“, so Klein. Das führe die Vision der
Assistenten fort, die SAP auf seinem Connect-Event angekündigt habe.
Bei Joule Work handelt es sich um einen cloudbasierten Web-Client, der durch
Mobil- und Desktop-Apps ergänzt werde. „Der Web-Client unterstützt Nutzer bei
der Erledigung von Aufgaben, die Interaktionen mit cloudbasierten
Geschäftsanwendungen erfordern. Die Desktop-App läuft lokal und ermöglicht es
Joule, lokale Dateien und Anwendungen zu nutzen. Sie kann Nutzer zudem dabei
unterstützen, tägliche Aufgaben auf ihrem Rechner zu delegieren, wie etwa die
Analyse von Daten und Dokumenten, die Themenrecherche in Dateien und E-Mails
oder das Erstellen von Dokumententwürfen auf Basis von Quelldaten. Die mobile
App ist eine Weiterentwicklung der ‚SAP Mobile Start‘-App und ermöglicht es
Anwendern, komplexe Geschäftsabläufe auch von unterwegs aus zu steuern“,
erläuterte der CEO.
Die mobile App von Joule Work ist ab sofort für Kunden im „SAP Early Adopter
Care“-Programm verfügbar. Das Programm für die Joule Work Desktop-App ist für
das zweite Quartal 2026 geplant, die allgemeine Verfügbarkeit in beiden Fällen
für das zweite Halbjahr 2026.
Neu ist außerdem „Industry AI“, eine Sammlung von acht autonomen Lösungen, die
komplette Industrieprozesse ausführen und branchenspezifische Logik,
Datenmodelle und regulatorische Anforderungen einbetten können. Im Szenario „SAP
Autonomous Asset Management“ analysieren KI-Agenten Daten aus tausenden
vergangenen Vorfällen, um die wahrscheinliche Ursache zu identifizieren und
Lösungen vorzuschlagen.
BESCHLEUNIGUNG DER CUSTOMER JOURNEY IN RICHTUNG AUTONOMIE
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Bei der Migration zu SAP S/4HANA stehen Unternehmen vor zentralen Fragen: Welche
Strategie ist die richtige? Wie lassen sich Risiken minimieren? Und wie gelingt
der Umstieg effizient? Das eBook „SAP-Migrationen automatisieren“ zeigt Wege für
eine erfolgreiche SAP-Transformation.
Zur Sapphire 2026 hat die SAP auch ihre Angebote „Rise with SAP“ und SAP „Grow“
aktualisiert. Jeder Rise-Kunde erhält innerhalb des ersten Jahres drei
aktivierte Joule-Assistenten, während Grow-Kunden bereits beim Onboarding
Zugriff auf das gesamte Portfolio an Assistenten erhalten. Schließlich
präsentierte SAP Werkzeuge für die agentengestützte Transformation, die den
Aufwand für ERP-Migrationen um etwa 35 Prozent reduzieren sollen.
Insgesamt zeigten in Orlando über 200 Aussteller und Partner ihre neuesten
Projekte, nicht zuletzt Implementierungen des KI-Assistenten Joule. Parallel zur
Sapphire fand die Konferenz der US-Anwendergruppe (ASUG) statt, die Einblicke in
Anwenderberichte und Best Practices bot.
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