OpenAI baut ein eigenes Beratungs- und Implementierungsgeschäft auf. Mit der
"OpenAI Deployment Company", intern DeployCo, soll eine mehrheitlich
kontrollierte Tochterfirma Unternehmen dabei helfen, KI-Systeme in ihre
Kernabläufe einzubauen.
Zum Start steht, wie bereits , ein Investitionsvolumen von mehr als vier
Milliarden US-Dollar bereit. Geführt wird die Partnerschaft vom
Private-Equity-Haus TPG, als Co-Lead-Partner fungieren Advent, Bain Capital und
Brookfield. Insgesamt 19 Investoren, Berater und Systemintegratoren sind
beteiligt, darunter Goldman Sachs, SoftBank, Warburg Pincus, BBVA sowie die
Beratungen Bain & Company, Capgemini und McKinsey.
Im Zuge der Gründung übernimmt OpenAI auch das britische Beratungsunternehmen
Tomoro, das bislang Kunden wie Tesco, Virgin Atlantic und Supercell betreut hat.
Etwa 150 sogenannte Forward Deployed Engineers (FDEs) und Deployment Specialists
wechseln zur DeployCo, sobald der Deal abgeschlossen ist. Der Abschluss steht
unter regulatorischem Vorbehalt.
Anzeige
PALANTIR-MODELL FÜR KI-EINFÜHRUNG
Das Forward-Deployed-Engineering-Modell, das OpenAI hier institutionalisiert,
stammt ursprünglich aus dem Datenanalyse-Geschäft von Palantir. Ab Mitte der
2000er-Jahre schickte Palantir eigene Ingenieure direkt zu Kunden aus
Geheimdiensten, Militär und später der Privatwirtschaft, weil die eigene
Plattform ohne intensive Anpassung kaum nutzbar war: Daten lagen in heterogenen
Altsystemen, Workflows waren komplex, Sicherheitsanforderungen hoch. Aus diesen
Einsätzen entstanden später wiederverwendbare Produktbausteine.
Anzeige
DEC_D_Incontent-1
Die Parallele zu OpenAI liegt auf der Hand: Auch ein KI-Modell oder eine API ist
für sich genommen abstrakt. Der konkrete Nutzen entsteht erst durch die
Einbettung in Geschäftsprozesse, Datenpipelines und Compliance-Strukturen.
OpenAI-Ingenieure arbeiten daher in Zukunft direkt beim Kunden, identifizieren
konkrete Workflows und bauen darauf zugeschnittene Systeme, die OpenAI-Modelle
mit den Daten, Tools und Kontrollmechanismen des Unternehmens verbinden. Laut
OpenAI beginnt ein typisches Mandat mit einer Diagnose, gefolgt von wenigen
priorisierten Workflows, die dann iterativ in Produktion gehen.
Der wesentliche Unterschied liegt im Ökosystem: Palantir agiert weitgehend
allein, OpenAI bindet mit TPG, McKinsey, Bain und Capgemini gleich ein ganzes
Netzwerk an Kapitalgebern und Beratern ein, das den Vertrieb in deren
Portfoliounternehmen skalieren soll.
Anzeige
WISSENSVORSPRUNG ALS GESCHÄFTSVORTEIL
Die Tochter operiert als eigenständige Geschäftseinheit, bleibt aber eng an
OpenAI angebunden. Das soll den FDEs frühen Zugriff auf kommende
Modellfähigkeiten verschaffen. Kundenseitig stehen laut OpenAI mehr als 2.000
Portfolio-Unternehmen der Investmentpartner als potenzielle Auftraggeber bereit.
Über zusätzliche Firmenakquisen will DeployCo weiter wachsen.
Denise Dresser, Chief Revenue Officer bei OpenAI, formuliert die
Geschäftsgrundlage so: "KI ist zunehmend in der Lage, bedeutsame Arbeit
innerhalb von Organisationen zu leisten. Die Herausforderung besteht jetzt
darin, Unternehmen zu helfen, diese Systeme in die Infrastruktur und Workflows
zu integrieren, die ihr Geschäft antreiben."
Anzeige
DEC_D_Incontent-2
ChatGPT Enterprise bleibt davon unberührt und dient weiterhin als horizontales
Lizenzprodukt. DeployCo setzt eine Ebene tiefer an und baut statt Seat-Verkäufen
maßgeschneiderte Systeme, die Modelle mit Kundendaten, Tools und
Governance-Anforderungen verzahnen. Das von OpenAI als Referenz genannte zeigt,
wie beides ineinandergreifen kann: Begonnen hat die Zusammenarbeit laut OpenAI
mit einem ChatGPT-Enterprise-Rollout, mittlerweile ist sie auf 120.000
Mitarbeitende in 25 Ländern angewachsen, mit KI "im Kern" der Bankprozesse. Wie
tief Custom-Integrationen dabei das Lizenzprodukt ergänzen oder ablösen, lässt
OpenAI offen.
Anzeige
DER NEUE BURGGRABEN
DeployCo ist damit mehr als ein neuer Vertriebskanal. Sie ist OpenAIs Antwort
auf eine Frage, die sich für jeden Modellanbieter zunehmend stellt: Wie hält man
Kunden, wenn die Modelle der Konkurrenz aufholen?
Die erste Antwort liegt im Geschäftsmodell. Beratungs- und Integrationsmargen
kommen on top zum Token-Geschäft, nicht an dessen Stelle. Jedes von DeployCo
gebaute System läuft am Ende auf OpenAI-Modellen, und mit Versionen wie dem
sowie potenziellen feinjustierten Firmenvarianten ist nach oben Luft beim
Token-Umsatz pro Kunde. Über eine Million Unternehmen nutzten laut OpenAI
bereits seine Produkte, doch viele KI-Projekte in Unternehmen bleiben im
Pilotstadium stecken. Genau diese Lücke soll DeployCo schließen, und je mehr
Integrationen funktionieren, desto stärker wächst die Nachfrage nach mehr KI im
Unternehmen.
Die zweite Antwort liegt im Lock-in. Wer Kernprozesse rund um GPT-Modelle,
OpenAI-spezifische Tools und FDE-Architekturen baut, lässt sich nicht mehr durch
ein konkurrierendes Chatbot-Abo ersetzen. Der Wechselaufwand verschiebt sich von
einer Vertragsfrage zu einem IT-Großprojekt.
Die dritte Antwort ist die strategisch wichtigste. Sollten sich Frontier-Modelle
in ihren Fähigkeiten weiter annähern und zur Commodity werden, liegt der
Burggraben nicht mehr im Modell selbst, sondern in der Integrationstiefe beim
Kunden.
Wie schon bei Palantir fließt die Arbeit beim Kunden auch in die andere Richtung
zurück: Jeder wiederkehrende Workflow, jede Integrationshürde und jeder
Fehlerfall, auf den die FDEs stoßen, ist direkter Input für die nächste
Generation agentischer Modelle und fertiger Produkte. Diesen Rückkanal kann kein
Wettbewerber ohne eigene Ingenieure beim Kunden nachbauen.
Genau diesen Burggraben bauen DeployCo und gerade aus, bevor er gebraucht wird.