
Das Wall Street Journal bestätigt und erweitert bisherige Berichte über den
massiven Einsatz generativer KI im US-Militäreinsatz gegen den Iran. Neue
Details zeigen, wie tief KI bereits in Aufklärung, Zielauswahl und Logistik
verankert ist.
Ein liefert neue Einblicke in den Einsatz künstlicher Intelligenz im laufenden
Krieg gegen den Iran. Der Bericht bestätigt und erweitert .
Laut WSJ haben die USA seit Beginn der Angriffe am Samstag mehr als 3.000 Ziele
im Iran getroffen. Zum Vergleich: In den ersten 24 Stunden waren es laut
früheren Berichten rund 1.000. KI-Werkzeuge helfen demnach bei der Aufklärung,
der Zielauswahl, der Planung von Bombenmissionen und der Schadensbewertung "mit
Geschwindigkeiten, die zuvor nicht möglich waren", so das WSJ.
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JAHRELANGE GEHEIMDIENSTARBEIT ALS GRUNDLAGE
Das Wall Street Journal berichtet, dass israelische Geheimdienste jahrelang
gehackte Verkehrskameras in Teheran überwacht und die Kommunikation hochrangiger
iranischer Funktionäre abgehört haben. KI kam dabei zunehmend zum Einsatz, um
die Flut abgefangener Daten zu sichten. Diese Vorarbeit ermöglichte letztlich
den Angriff israelischer Kampfjets mit ballistischen Raketen auf die Residenz
des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei, der den aktuellen Krieg auslöste.
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Menschliche Analysten können laut US-Offizieren, die in dem Bereich gearbeitet
haben, maximal 4 Prozent des gesammelten Geheimdienstmaterials auswerten. "Der
größte unmittelbare Einfluss von KI liegt in der Aufklärung", sagte der
israelische Oberst Yishai Kohn, Leiter für Planung, Wirtschaft und IT im
Verteidigungsministerium, dem WSJ. "Viele potenzielle Missionen fanden schlicht
nie statt, weil die Manpower nicht existierte", um wichtige
Geheimdienstinformationen auszuwerten.
KI-gestützte maschinelle Bilderkennung kann dem Bericht zufolge inzwischen
schnell eine große Zahl von Zielen identifizieren und dabei spezifische
Flugzeug- oder Fahrzeugmodelle unterscheiden. Nutzer können die Ergebnisse mit
Abfragen vertiefen, etwa um jeden Raketenwerfer in der Nähe eines Krankenhauses
zu identifizieren, oder Alarme setzen: "Sag mir jedes Mal, wenn jemand in der
Nähe dieser Militärbasis ein Foto macht."
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DAS PENTAGON ALS "HARDWARE-FIRMA IM SOFTWARE-ZEITALTER"
Der , der pensionierte Air-Force-Generalleutnant Jack Shanahan, beschrieb
gegenüber dem WSJ ein grundlegendes Problem: "Das Verteidigungsministerium wurde
als Hardware-Firma im Industriezeitalter gebaut und hat sich schwer damit getan,
eine digitale Firma in einer software-zentrierten Ära zu werden." Shanahan hatte
vor fast einem Jahrzehnt das KI-gestützte Projekt Maven im Irak geleitet.
Die KI-Werkzeuge des Pentagon ähneln laut WSJ ChatGPT und anderen kommerziellen
Sprachmodellen, sind aber auf Kriegsführung beschränkt und für spezifische
Aufgaben mit relevanten Daten trainiert. Dennoch sei Krieg "eine der
chaotischsten und komplexesten menschlichen Unternehmungen", die einzigartige
Probleme selbst für modernste KI aufwerfe. Ein Grund: Viele verfügbare
Trainingsdaten seien veraltet oder unklar.
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Von zehn Militärangehörigen stehen laut dem Bericht höchstens zwei im
Kampfeinsatz. Bis zu 90 Prozent des Personals arbeiten in Unterstützungsrollen.
Genau diese Bereiche, Aufklärung, Missionsplanung und Logistik, seien besonders
reif für KI-gestützte Effizienzgewinne.
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20 PERSONEN ERSETZEN 2.000
Das WSJ bestätigt eine Zahl, die bereits aus einer Georgetown-Studie bekannt
war: Das 18. Luftlandekorps der US-Armee erreichte mit Software von Palantir
Technologies in einer Übungsreihe namens "Scarlet Dragon" seinen eigenen Rekord
als effizienteste Zielerfassungsoperation des Militärs. Laut Emelia Probasco,
Senior Fellow am Georgetown Center for Security and Emerging Technology, gelang
dies mit nur 20 Personen, verglichen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern, die im
Irak für die gleiche Aufgabe nötig waren.
Auch die NATO nutzt KI bereits operativ. Der französische Admiral Pierre
Vandier, NATOs oberster Offizier für digitale Transformation, sagte dem WSJ,
dass Bündnismitglieder KI einsetzen, um Russlands Schattentankerflotte zu
verfolgen. Dabei würden Millionen Quadratmeilen mehrmals täglich nach Schiffen
gescannt, die illegal auf See Treibstoff umschlagen. "Die Zahl der Ziele, die
man durch KI benennen kann, schießt in die Höhe", sagte Vandier.
VON WOCHENLANGER PLANUNG ZU TAGEN
Die Missionsplanung, die früher wochenlang dauerte und "papiergefüllte Ordner"
füllte, kann laut Militärführern durch KI potenziell in Tagen erledigt werden.
An der Planung eines Militärangriffs sind typischerweise rund 40 Fachleute
beteiligt, darunter Geheimdienstoffiziere, Kampfkommandeure, Waffenexperten und
Logistikmanager. Jede Änderung hat Kaskadeneffekte: Verschiebt die Aufklärung
etwa ein Bombenziel auf ein weiter entferntes Objekt, ändern sich möglicherweise
Flugzeugtyp, Bewaffnung, Personalplanung, Flugrouten und Treibstoffverbrauch. KI
könne diese komplexen Wechselwirkungen nun in Echtzeit verarbeiten, so das WSJ.
Für die Schadensbewertung nach Angriffen setzt das Militär auf sogenannte Sensor
Fusion: KI verarbeitet gleichzeitig Bilder, Radar, Wärmesignaturen und
Massenspektroskopie, um eine Liste möglicher Schlussfolgerungen zu
synthetisieren. Die schnelle Analyse, wo Angriffe erfolgreich waren oder
scheiterten, hilft bei der Verfeinerung nachfolgender Ziellisten.
WARNUNG VOR ÜBERVERTRAUEN IN DIE MASCHINE
Trotz der Effizienzgewinne warnen mehrere am WSJ-Bericht beteiligte
Militäroffizielle, dass die Leistungsfähigkeit der Technologie dazu verleiten
könne, sich zu stark auf KI-generierte Informationen zu verlassen. Dieser Trend
werde intern mit dem Satz "The computer said to do this" beschrieben.
Emelia Probasco, die früher verschiedene Posten in der US-Marine bekleidete und
heute als Senior Fellow an der Georgetown University forscht, bezeichnete die
Gefahr einer solchen Abgabe von Entscheidungen an KI als "ernsthafte Sorge". Wie
bei anderen Waffensystemen müssten Schutzmaßnahmen implementiert werden, um die
Risiken zu begrenzen, sagte sie dem WSJ. "Die Infrastruktur dafür ist derzeit
unterfinanziert", so Probasco. Gemeint sind die Kontroll- und
Aufsichtsmechanismen, die sicherstellen sollen, dass Menschen KI-Empfehlungen
kritisch prüfen, bevor sie in tödliche Entscheidungen münden.
Das WSJ berichtet zudem, dass , dass amerikanische Streitkräfte wahrscheinlich
für einen Angriff am ersten Kriegstag verantwortlich waren, bei dem Dutzende
Kinder an einer Mädchenschule im Iran getötet wurden. Diese Formulierung ist
deutlicher als bisherige Berichte, die von einer noch laufenden Prüfung
sprachen.