WENN KI AUSFÄLLT KI-KONSUM UND SEINE FOLGEN: DEEPSEEK GING IN „DEEPSLEEP“
21.04.2026 Von Henrik Bork 5 min Lesedauer
„Erst als Deepseek ausfiel, wurde mir klar, dass ich ohne diese KI gar nicht
mehr arbeiten kann.“ Solche Kommentare von Nutzern fluteten Chinas soziale
Medien, nachdem der beliebte KI-Anbieter aus Hangzhou kürzlich einen 13 Stunden
langen Totalausfall hatte.
Nach dem 13-stündigen Ausfall der chinesischen --Modelle klagte etwa ein anderer
Nutzer, er sei gerade beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit gewesen,
als der Dienst zusammenbrach. „Alles wieder aufzubauen, das ist wahnsinnig
mühsam.“
Programmierer sahen ihre Debugging-Abläufe zusammenbrechen. „Man merkt erst, wie
abhängig man ist, wenn das abstürzt“, schrieb ein Nutzer und verglich das
Erlebnis mit der Trennung in einer Beziehung, berichtete das chinesische
Wirtschaftsportal 21 Jingji.
Andere tauften die KI kurzerhand in „Deepsleep“ um. Für viele hätte es sich
angefühlt, als ‚hätten sie die Hälfte ihres Gehirns verloren‘, fasste das
Tech-Portal Xin Zhiyuan die weitverbreitete Frustration zusammen.
ALS DEEPSEEK TIEF SCHLIEF
Was war passiert? Am Abend des 29. März 2026, gegen 21:35 Uhr Pekinger Zeit,
fielen Webseite und App des chinesischen KI- Deepseek gleichzeitig aus. Beide
Oberflächen waren plötzlich nur noch grau. Die Warnleuchte auf der offiziellen
Statusseite blinkte die ganze Nacht, obwohl die Ingenieure der Firma sofort eine
Nachtschicht einlegten, schrieb Xin Zhiyuan.
Deepseek versuchte offenbar mehrere Reparaturen, doch der Dienst war erst am
nächsten Morgen um 10:33 Uhr wieder voll funktionsfähig. Dreizehn Stunden
Totalausfall, das war die bislang längste Störung, seit das Unternehmen aus
Hangzhou Anfang 2025 mit seinem Reasoning-Modell weltweit bekannt geworden war.
Zuvor war der Dienst, Angaben des Unternehmens zufolge, nie länger als zwei
Stunden am Stück ausgefallen.
Es handelte sich allerdings schon um den fünften größeren Ausfall seit 2025, nur
die Zeit zur Wiederherstellung habe sich verlängert, berichteten chinesische
Medien. Eine offizielle Erklärung von Deepseek gibt es bis jetzt nicht. Bei
Störungen dieser Größenordnung lägen die Ursachen aber erfahrungsgemäß in der
Infrastruktur, analysierte der Branchendienst Pan Finance. Typisch seien
„Überlastungen von GPU-Clustern, plötzliche Traffic-Peaks oder Fehler nach
System-Updates.“
Verschärft wurde das Problem offenbar durch einen Lawineneffekt, weil der
Ausfall diesmal so lange dauerte. Viele Nutzer versuchten während des Ausfalls
wiederholt, die Seite neu zu laden, was die ohnehin überlasteten Server erst
recht in die Knie zwang, schrieb die Zeitung Global Times.
SIND DAS ERSCHRECKENDE NACHRICHTEN – ODER GUTE?
Für Hersteller von GPUs, Servern und Rechenzentrums-Hardware ist all das eine
eher gute Nachricht. Denn in China wird nach solchen Ausfällen gewöhnlich nach
einer Lösung gesucht und schnell investiert. Man darf davon ausgehen, dass nicht
nur Deepseek, sondern auch seine größten Konkurrenten aus diesem Vorfall die
Lehre ziehen, mehr in ihre Infrastruktur investieren zu müssen.
Auch die Regierung in Peking hat erkannt, dass hier ein massiver Bedarf besteht.
Sie hat den Ausbau der Recheninfrastruktur in den vergangenen Monaten massiv
beschleunigt. China betreibt bis jetzt 42 große GPU-Cluster mit einer
kombinierten intelligenten Rechenleistung von mehr als 1.590 EFLOPS, einer
Maßeinheit für Supercomputing-Leistung. Mit dieser Kapazität rangiere das Land
ganz oben in der Weltspitze, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.
US-amerikanische Chip-Boykotte können diesen schnellen und volumenstarken Ausbau
von Recheninfrastruktur zwar abbremsen, aber nicht aufhalten. Chinas
GPU-Eigenversorgungsquote habe 2024 bei 34 Prozent gelegen und werde bis 2027
auf 82 Prozent steigen, schätzt die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley.
PROFITEUR HUAWEI
Der Ausfall ereignete sich zu einem Zeitpunkt, zu dem weltweit intensiv über die
bevorstehende Veröffentlichung des nächsten KI-Modells von DeepSeek namens V4
spekuliert wird. Es soll erstmals auf Chips des chinesischen Technologiekonzerns
Huawei laufen. Dies ist eines von vielen Beispielen für die „heimische
Substitution“ in der chinesischen Halbleiter-Industrie. Weil ihnen der Zugang zu
leistungsstarken Nvidia-GPUs durch die US-Boykotte verwehrt oder zumindest stark
erschwert wird, weichen immer mehr chinesische Unternehmen auf lokale Anbieter
aus.
Mehrere chinesische Tech-Riesen haben kürzlich bei Huawei Großbestellungen
aufgegeben, darunter Alibaba, Bytedance und Tencent, berichtet das
US-Technologiemedium „The Information“ unter Berufung auf namentlich nicht
genannte Quellen. Es soll sich dabei um Hunderttausende von Einheiten handeln.
Fachmedien spekulieren seit Wochen, V4 werde voraussichtlich im April
erscheinen, und sagen voraus, dass es wieder ein sehr starkes Open-Source-Modell
sein werde, wenn auch ohne einen „erdrückenden Leistungsvorsprung“.
JETZT NEWSLETTER ABONNIEREN
TÄGLICH DIE WICHTIGSTEN INFOS ZU BIG DATA, ANALYTICS & AI
Geschäftliche E-Mail
Bitte geben Sie eine gültige E-Mailadresse ein.
Abonnieren
Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und
Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details)
einverstanden und akzeptiere die . Weitere Informationen finde ich in unserer .
Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von
redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu
Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).
Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit
Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von
Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden
Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer .
EINWILLIGUNG IN DIE VERWENDUNG VON DATEN ZU WERBEZWECKEN
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH,
Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im
Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel
Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und
Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen
können abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen
aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und
Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und
Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere
(redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im
Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote.
Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die
Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der
vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und
Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten
Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel
Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln,
die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied
auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt
diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und
Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur
Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen.
Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „“ in der Datenschutzerklärung
entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich
deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte
Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen
Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu
redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die
hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu
Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft
widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund
meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um
meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter abrufbare
Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht
mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters
eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem
Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde
ich in der .
Die Inferenz- und Trainingslasten großer Sprachmodelle hätten eine explosive
Nachfrage nach GPUs und Rechenzentrums-Ressourcen ausgelöst, wird Liu Gang,
Chefökonom am Chinesischen Institut für Entwicklungsstrategien Künstlicher
Intelligenz der nächsten Generation, von der parteinahen Tageszeitung Global
Times zitiert.
In der Tat droht das rasante Nutzerwachstum die Rechenkapazitäten
zwischenzeitlich immer wieder abzuhängen. Deepseek zählte im Februar mehr als
355 Millionen registrierte Nutzer, berichtete die South China Morning Post.
Immer mehr Menschen verfassen mithilfe von Deepseek ihre E-Mails und nutzen es
für ihre tägliche Arbeit. Allein im ersten Quartal 2025 seien die täglich
aktiven Nutzer von 120 Millionen auf 200 Millionen gestiegen, ein Zuwachs von
knapp 70 Prozent, berichtet 21 Jingji. Die Rechenkapazität sei im selben
Zeitraum nur um 8,3 Prozent gewachsen. „Das Nutzerwachstum hat die Infrastruktur
überholt“, wird ein angeblich gut informierter Programmierer zitiert.
WENN DIE KI-INFRASTRUKTUR BEGINNT, SCHWÄCHEN ZU ZEIGEN
Auch bei der US-Konkurrenz hatte es im März Störungen gegeben, etwa bei Claude,
dem KI-Assistenten von Anthropic. Daheim in China war beispielsweise auch
Alibabas Sprachmodell Qwen bei einer Werbeaktion unter dem großen Ansturm für
kurze Zeit zusammengebrochen. Der Bedarf nach Rechenleistung und der dafür
nötigen Hardware ist keinesfalls auf einzelne Hersteller beschränkt.
Lokale Deepseek-Rivalen wie Zhipu AI, Minimax AI und Moonshot AI haben zuletzt
mit ihren KI-Modellen ebenfalls große Leistungssprünge erzielt. Sie konkurrieren
nun um denselben begrenzten Pool an Rechenleistung, kommentiert die South China
Morning Post. Je mehr Anbieter und Nutzer, desto größer der Druck auf die
Infrastruktur. Der Totalausfall von Deepseek belegt aber auch, wie schnell die
KI in die chinesische Arbeitswelt einzieht. Sie befindet sich nicht mehr in
einem Experimentierstadium, in dem Entwickler damit nur einzelne Strings von
Code testen oder Studenten erste Aufsätze in Auftrag geben.
Inzwischen sind die KI-Assistenten für Millionen von Büroangestellten,
Programmierern und Autoren in China zu einem ernsthaften Produktionswerkzeug
geworden, so unverzichtbar wie E-Mail oder ein Cloud-Speicher. „Diese
Unterbrechung hat vielen Menschen schlagartig bewusst gemacht, dass KI kein
optionales Spielzeug mehr ist, sondern eine Notwendigkeit für die
Produktivität“, kommentiert Xin Zhiyuan.
Die Verlässlichkeit der KI-Plattformen ist damit neben der reinen Modellleistung
zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Die Erwartungen an die
Verfügbarkeit ähneln inzwischen denen an traditionelle Cloud-Dienste. Das
bedeutet, dass die Messlatte für die Systemstabilität rasant gestiegen ist. Was
der Ausfall der KI mit dem Nutzer macht, steht auf einem Blatt.
Auf einem anderen steht, dass 355 Millionen Nutzer, die ohne ihren
KI-Assistenten nicht mehr arbeiten können, das überzeugendste Argument für den
Ausbau der Recheninfrastruktur liefern, das sich die Halbleiterindustrie nur
wünschen kann.
Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal .
(ID:50812185)