Google und OpenAI beruhigen mit niedrigen Energiewerten pro KI-Anfrage. Ein
Klimawissenschaftler zeigt anhand seiner eigenen Claude-Code-Nutzung, dass die
reale Welt der KI-Agenten ganz anders aussieht.
Ein medianer verbraucht laut Google nur 0,24 Wattstunden (Wh), weniger Energie
als neun Sekunden Fernsehen. Sam Altman, CEO von OpenAI, eine durchschnittliche
ChatGPT-Anfrage auf 0,34 Wh, in etwa auf dem .
Veröffentlicht wurden diese beiden Datenpunkte im letzten Jahr. Und schon damals
war klar, dass diese Zahlen die tatsächliche KI-Nutzung missrepräsentieren. Sie
ignorieren Reasoning-Modelle, die aus einer Chatanfrage ein Vielfaches an Token
produzieren, multimodale Verarbeitung mit verschiedenen Formaten,
Multi-Agenten-Systeme, Code-Generierung, die Skalierung über Milliarden
Nutzungen und viele weitere Faktoren. Insbesondere Googles "Studie" verharmloste
.
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In welchem Ausmaß, das hat jetzt der Klimawissenschaftler in einer
nachgerechnet. Eine wesentliche Datenlücke bleibt: Niemand außerhalb der
KI-Labore kennt den tatsächlichen Energieverbrauch pro Token eines
Frontier-Modells. Entsprechend sind auch Hausfathers Kalkulationen nur
Annäherungen.
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Hinzu kommt, dass die errechneten Werte auf Basis seiner aktuellen Nutzung
errechnet sind. KI-Labore arbeiten bereits daran, agentische Systeme weiter zu
skalieren, . Ein potenziell exponentieller Faktor für den Energieverbrauch.
3,2 MILLIARDEN TOKEN IN ACHT WOCHEN
Hausfather hat seinen eigenen Verbrauch über acht Wochen detailliert gemessen.
Claude Code speichert vollständige lokale Protokolle jeder Sitzung, inklusive
der exakten Token-Zahlen, die die API für jeden Modellaufruf meldet.
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Seine 1.138 getippten Prompts lösten über 14.000 Modellaufrufe aus, also
durchschnittlich zwölf pro Prompt. Jeder Prompt verarbeitete im Schnitt 2,9
Millionen Token. Zum Vergleich: Ein typischer Chat-Austausch ohne Reasoning oder
Websuche kommt auf etwa tausend Token.
Insgesamt verarbeitete sein Claude Code 3,2 Milliarden Token. Davon entfielen 96
Prozent auf sogenannte Cache-Reads: Bei jedem einzelnen der 14.000 Schritte
liest der Agent seinen gesamten angesammelten Kontext neu ein. Der Text, den
Hausfather tatsächlich sieht, also der Output des Modells, macht laut seiner
Analyse nur 0,4 Prozent der verarbeiteten Token aus.
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Seine beste Schätzung für den Gesamtverbrauch: rund 170 kWh Rechenzentrumsstrom
über acht Wochen, mit einer Unsicherheitsspanne von 70 bis 330 kWh. Direkt
gemessen hat Hausfather dabei nur die Token-Zahlen aus den
Claude-Code-Protokollen; die Umrechnung in Stromwerte basiert auf drei
unabhängigen Methoden mit unterschiedlichen Annahmen.
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Pro Prompt entspricht das etwa 150 Wh, also rund 600-mal so viel wie ein
medianer Chat-Prompt. "Ein 'Prompt' ist letztlich keine Einheit der KI-Nutzung,
so wenig wie 'Fahrten' ein Maß fürs Fahren sind; es kommt darauf an, wie weit
man fährt", schreibt Hausfather.
EIN DURCHSCHNITTLICHER TAG VERBRAUCHT MEHR STROM ALS ZWEI KÜHLSCHRÄNKE
Die mediane Claude-Code-Sitzung von Hausfather verbrauchte rund 0,6 kWh, was dem
Fünfzigfachen einer Handyladung entspricht. Sein durchschnittlicher Tag mit
Claude Code lag bei 3,0 kWh (Spanne: 1,2 bis 5,9 kWh), mehr als der
Tagesverbrauch zweier Kühlschränke.
An seinem intensivsten Tag, an dem mehrere parallele Agenten eine umfangreiche
Geodatenanalyse durcharbeiteten, wurden laut seiner Schätzung 11 kWh verbraucht,
mehr als ein Drittel des täglichen Stromverbrauchs eines durchschnittlichen
US-Haushalts.
HOCHGERECHNET AUF EIN JAHR: SO VIEL WIE EIN WÄSCHETROCKNER
Auf ein volles Jahr hochgerechnet würde Hausfathers agentische
Claude-Code-Nutzung rund 1,1 MWh Rechenzentrumsstrom verbrauchen (0,4 bis 2,2
MWh), etwa ein Zehntel eines durchschnittlichen US-Haushalts. Umgerechnet auf
den US-Durchschnittsstrommix entspricht das rund 370 kg CO₂-Äquivalenten pro
Jahr.
Das ist laut Hausfather etwas mehr als der Betrieb eines elektrischen
Wäschetrockners (262 kg) und etwa halb so viel wie ein Hin-und-Rückflug von San
Francisco nach New York in der Economy-Klasse (700 kg), wobei dieser Flugwert
laut Hausfather nur direktes CO₂ umfasst. Es entspricht rund acht Prozent der
jährlichen Emissionen eines typischen US-Benzinautos und etwa zwei Prozent des
durchschnittlichen Jahres-Fußabdrucks eines Amerikaners. "Das ist gleichzeitig
eine große Emissionsquelle und ein relativ bescheidener Teil meines gesamten
CO₂-Fußabdrucks", ordnet Hausfather ein.
SAUBERER STROM STATT VERZICHT
Hausfather argumentiert ausdrücklich nicht für Verzicht oder Schuldgefühle.
Persönliche Zurückhaltung durch die kleine Gruppe der Vielnutzer werde "keine
Kurven biegen". Sinnvoll sei es, einfache Aufgaben an kleinere Modelle zu
delegieren, was fünf- bis siebenmal weniger Energie pro Token verbrauche als
Frontier-Modelle.
Der wirksamste Hebel sei die Kohlenstoffintensität des Stroms: Würde derselbe
Workload mit weitgehend sauberem Strom betrieben, fiele der Fußabdruck um rund
90 Prozent. Das Problem: Fast drei Viertel der geplanten eigenen Stromerzeugung
für US-Rechenzentren setzten auf Erdgas.
Gleichzeitig sieht Hausfather eine Chance: KI-Unternehmen brächten enormes
Kapital und ungewöhnliche Dringlichkeit mit. Wenn dieses Geld in saubere
Energie, Netzausbau und fortschrittliche Technologien wie Geothermie oder
Kernkraft fließe, könne der KI-Boom das Stromnetz sauberer hinterlassen, als er
es vorgefunden habe.