KOMMENTAR VON JASON HARVEY, ZEBRA TECHNOLOGIES DIE 70-PROZENT-REGEL – WARUM
KI-STRATEGIE VOR ALLEM EINE PERSONALSTRATEGIE IST
06.08.2026 Von Jason Harvey 4 min Lesedauer
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In Unternehmen wurde bei Ergebnisgesprächen im vergangenen Jahr so häufig über
Künstliche Intelligenz (KI) gesprochen wie nie zuvor. Laut einer Analyse von The
CEO Radar, für die fast 5.000 dieser Gespräche ausgewertet wurden, gehört KI
inzwischen zu den fünf wichtigsten Themen von CEOs. Führungskräfte nannten KI
dabei vor allem im Zusammenhang mit Innovation und Wachstum. Auch weltweit
gewinnt das Thema an Bedeutung: CEOs sprechen zunehmend über KI, Technologie,
Innovation und Wachstum.
Die wachsende Bedeutung von birgt jedoch die Gefahr, dass Unternehmen die
falschen Schwerpunkte setzen. Die jüngsten Fortschritte und Möglichkeiten von
KI-Modellen, ob agentenbasiert oder generativ, ziehen viel Aufmerksamkeit auf
sich. Auch der Aufbau von erforderlichen Algorithmen und Technologie-Stacks ist
wichtig.
Der eigentliche Mehrwert von KI entsteht nicht allein durch die Technologie. Er
entsteht dort, wo Geschäftsprozesse neu gestaltet und Menschen befähigt werden.
KI ist weniger ein IT-Projekt als vielmehr ein neues Kapitel darin, wie
Unternehmen über Humankapital nachdenken, es stärken und einsetzen. Gleichzeitig
zeigt sich, dass viele Unternehmen strategisch noch nicht ausreichend
vorbereitet sind. Laut McKinsey , ein Rückgang von 40 Prozent gegenüber dem Wert
vor anderthalb Jahrzehnten. In einer Geschäftswelt, die hohe Investitionen und
Erwartungen mit KI verbindet, ist das eine besorgniserregende Entwicklung.
Um Innovation zu fördern, müssen Unternehmen ein Umfeld schaffen, in dem Lernen,
Experimentieren und Veränderung möglich sind. Gleichzeitig braucht es einen
klaren strategischen Rahmen, der diese Entwicklung gezielt vorantreibt.
Entscheidend ist dabei eine praxisnahe Vision davon, wie KI die tägliche Arbeit
verbessern und Kundennutzen schaffen kann. Zwar kann KI einzelne Probleme lösen.
Ihr eigentlicher Wert liegt aber darin, Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu
verschaffen. Dafür braucht es Menschen und Partner mit dem nötigen Wissen und
der entsprechenden Erfahrung.
KI NACH DER 70-20-10-REGEL
Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group beschreibt eine 70-20-10-Logik.
Demnach entstehen rund zehn Prozent des KI-Werts durch die Algorithmen selbst,
20 Prozent durch die zugrunde liegende Technologie und 70 Prozent dadurch, dass
Unternehmen die Rolle ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu denken.
Diese Zahlen zeigen deutlich, worauf es bei einer erfolgreichen Transformation
ankommt: auf eine Innovationskultur, kontinuierliches Lernen und konsequentes
Veränderungsmanagement. All das gewinnt an Bedeutung, da Unternehmen den ROI
ihrer KI-Investitionen steigern wollen.
Dazu gehört, KI auf Vorstandsebene als Wachstumstreiber zu verankern und nicht
bloß als IT-Projekt zu betrachten. Ebenso wichtig ist es, das mittlere
Management als zentralen Hebel der Umsetzung einzubinden. Die Studie macht
deutlich, dass 88 Prozent der Manager den Einsatz von KI vorleben und sie aktiv
in Entscheidungen sowie tägliche Abläufe integrieren.
Führungskräfte auf der mittleren Ebene verbinden Unternehmensleitung und
Strategie mit dem operativen Geschäft. Dort entsteht der eigentliche Mehrwert:
Aufgaben werden intelligent automatisiert und Prozesse im Arbeitsalltag
kontinuierlich verbessert.
DIE 70-20-10-REGEL IN DER PRAXIS UMSETZEN
Dass dieses Konzept nicht nur theoretisch funktioniert, zeigt das Beispiel eines
Herstellers aus der Holzindustrie mit 80-jähriger Unternehmensgeschichte. Das
Unternehmen erzielte jährliche Einsparungen von mehr als 500.000 Pfund. Seine
Führungskräfte erkannten eine Marktlücke für ein verbessertes Kundenangebot und
nutzten KI, um dieses Potenzial zu erschließen.
Wettbewerber boten zwar zahlreiche Scanner für die visuelle Prüfung an,
entwickelten diese jedoch kaum weiter und verzichteten auf Upgrade-Pakete.
Gleichzeitig machte der Hersteller die Erfahrung, dass veraltete Technologien
und überholte Arbeitsweisen zu Fehlalarmen, höherem Ausschuss, zusätzlichem
Kontrollaufwand und schlechteren Arbeitsbedingungen führten. Dabei mussten die
Mitarbeiter in der Produktion täglich bis zu 20.000 Teile bearbeiten.
Praxiserfahrung, Kundenfokus und die richtige Unternehmenskultur wurden
gemeinsam mit einer klaren Strategie zum Wettbewerbsvorteil. Das Unternehmen
kombinierte die Expertise seiner Direktoren und Projektmanager mit der seiner
Partner. Dazu arbeitete es mit einem weltweit führenden Anbieter von - und
KI-Lösungen sowie einem lokalen Partner für Tests und Implementierung zusammen.
Die Abläufe sind heute mithilfe von Machine-Vision-Software, und 3D-Sensoren
intelligent automatisiert. Das System wird in die Produktionslinien integriert
und liefert auch unter schwierigen Bedingungen konsistente und zuverlässige
Ergebnisse. Die KI lernt kontinuierlich hinzu, sodass Präzision und Ertrag
weiter steigen. Zu den Ergebnissen zählen eine achtfache Verbesserung der
Präzision, weniger Fehler, Kosteneinsparungen im sechsstelligen Bereich sowie
die Sicherheit, das Geschäft auf neue globale Märkte ausweiten zu können.
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Stand: 08.12.2025
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Die Vorteile reichen dabei über die Produktion hinaus bis in die Lieferkette.
Beim Einkauf bei verschiedenen Anbietern verfügt das Unternehmen nun über
deutlich mehr Transparenz hinsichtlich Ertrag und Qualitätsprofil der einzelnen
Lieferanten. Zudem konnte es die Genauigkeit bei Beständen und Zuweisungen
verbessern. Liefer- und Produktionspläne lassen sich dadurch verlässlicher
umsetzen.
Das System hilft zudem dabei, eine der größten Herausforderungen der Branche zu
bewältigen: den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Gleichzeitig
erleichtert die KI-gestützte Lösung die Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Diese
können auf Bildern markieren, worauf es bei der Prüfung ankommt. Die KI lernt
aus diesen Beispielen und erkennt die relevanten Merkmale anschließend
selbstständig und zuverlässig, ohne dass ein hochqualifizierter Bediener jede
Prüfung übernehmen muss.
Die Lehre daraus ist klar: Ohne Umsetzung bleibt Strategie eine Halluzination.
Im Zeitalter der KI geht es dabei jedoch nicht allein um Algorithmen, sondern um
eine Unternehmenskultur, die Menschen motiviert und befähigt. Die entscheidenden
Fragen für Führungskräfte lauten: „Was ist unsere KI-Strategie?“ und „Wer treibt
die Transformation unserer Geschäftsprozesse voran?“ Werden diese Fragen richtig
beantwortet, entwickelt sich KI vom Schlagwort im Ergebnisgespräch zum echten
Wettbewerbsvorteil.
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