VON CODE BIS KÜCHE EIN DRITTEL DER DEUTSCHEN NUTZT KI MINDESTENS EINMAL DIE
WOCHE
06.05.2026 Von 4 min Lesedauer
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Laut einer Bitkom-Umfrage ist Künstliche Intelligenz (KI) bereits im Alltag der
Deutschen angekommen. Doch im Berufsalltag bleibt die Nutzung noch gespalten.
Auch wenn die Aufgeschlossenheit vorhanden ist, steigt doch auch die Skepsis
gegenüber dem KI-Einsatz, besonders was die Abhängigkeit von den USA in diesem
Bereich betrifft.
ist in Deutschland in der Breite angekommen. Laut einer repräsentativen
Bitkom-Befragung unter 1.003 Personen ab 16 Jahren nutzen 58 Prozent der
Bevölkerung KI-Anwendungen. Jede und jeder Dritte greift mindestens einmal pro
Woche darauf zu, 15 Prozent sogar täglich.
Für die Branche im Allgemeinen sei das mehr als nur ein Stimmungsbild. KI
verändert bereits Entwicklungsprozesse, Softwareerstellung, Simulation,
Qualitätssicherung, Service und technische Dokumentation. Bitkom-Präsident Dr.
Ralf Wintergerst sagt dazu: „Künstliche Intelligenz ist schneller im Alltag
angekommen als jede andere Innovation zuvor.“
Besonders hoch ist die Nutzung bei jüngeren Altersgruppen. Unter den 16- bis
29-Jährigen verwenden 29 Prozent täglich KI, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es
22 Prozent. Damit wächst eine Generation in den Arbeitsmarkt hinein, für die
KI-gestützte Werkzeuge selbstverständlich werden.
CHANCEN ÜBERWIEGEN, ABER AUCH DIE SKEPSIS WÄCHST
69 Prozent der Befragten sehen KI eher als Chance, 27 Prozent eher als Gefahr.
Im Vorjahr lag der Chancenwert noch bei 74 Prozent. Die Technologie wird also
breit akzeptiert, zugleich nimmt die Unsicherheit zu.
Wintergerst ordnet das mit der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit ein: „Es gibt
jede zweite Woche neue Nachrichten.“ Gerade angekündigte Frontier-Modelle und
Diskussionen über Superintelligenz weckten zugleich Hoffnung und Befürchtungen.
Für Elektronikunternehmen bedeutet das: Die Akzeptanz ist vorhanden, aber sie
ist nicht stabil. Wer KI in Entwicklung, Fertigung oder Verwaltung einführt,
muss Nutzen, Grenzen und Verantwortlichkeiten klar erklären.
Die gesellschaftliche Wirkung wird bereits deutlich wahrgenommen. 42 Prozent
sagen, KI verändere die Gesellschaft schon heute. Insgesamt erwarten 76 Prozent,
dass KI die Gesellschaft spätestens innerhalb der nächsten fünf Jahre spürbar
verändern wird.
FALSCHINFORMATIONEN, DATEN UND KONTROLLE BLEIBEN ZENTRALE SORGEN
Die größte Sorge der Deutschen betrifft die Verbreitung schwer erkennbarer
Falschinformationen. 50 Prozent nennen diesen Punkt. Ebenfalls 50 Prozent
beklagen zu wenig Regeln und Kontrollen für KI.
49 Prozent fürchten, dass KI zu viel Macht bekommt. 43 Prozent haben Bedenken,
dass persönliche Daten nicht sicher sind, 42 Prozent empfinden KI als oft
undurchsichtig. 41 Prozent sorgen sich vor falschen Ergebnissen.
Für die Elektronikbranche sind diese Punkte besonders relevant, weil KI oft mit
sensiblen Entwicklungsdaten, Kundendaten, Produktionsdaten oder Code in
Berührung kommt. Wintergerst weist darauf hin, dass sensible Firmendaten „immer
etwas zu Schützendes und etwas Vertrauenswürdiges“ seien.
Gleichzeitig ist KI für viele bereits ein praktisches Werkzeug. 58 Prozent der
KI-Nutzenden sparen damit Zeit, 50 Prozent verstehen komplexe Themen besser, 48
Prozent erhalten neue oder kreativere Ideen. Wintergerst beschreibt die drei
Rollen treffend als „KI als Turbo, KI als Coach oder KI als Sparringspartner“.
ARBEIT VERÄNDERT SICH, ABER VIELE UNTERNEHMEN SCHULEN ZU WENIG
Im Berufsleben ist KI bereits angekommen, aber nicht gleichmäßig. 48 Prozent der
Erwerbstätigen nutzen KI bei der Arbeit. 8 Prozent tun dies täglich, 18 Prozent
mindestens einmal pro Woche und 22 Prozent seltener.
Fast ebenso viele, nämlich 48 Prozent, nutzen KI im Job bislang gar nicht. 45
Prozent lehnen eine Unterstützung durch KI bei ihrer Arbeit grundsätzlich ab,
während 49 Prozent gern eine KI als persönlichen Assistenten hätten.
Für Engineering-Teams, Softwareentwicklung und technische Kommunikation ist der
Wandel bereits sichtbar. Wintergerst nannte im Transkript ausdrücklich
Softwareentwicklung sowie Kommunikations- und Marketingabteilungen als Bereiche,
in denen KI schnell Einzug gehalten habe.
Die Weiterbildungszahlen zeigen jedoch eine Lücke. Nur 21 Prozent der
Erwerbstätigen haben bereits eine KI-Fortbildung ihres Arbeitgebers genutzt.
Weitere 13 Prozent hätten Angebote, haben sie aber noch nicht wahrgenommen. Aus
Sicht Wintergersts fällt diese Kennzahl „deutlich zu schmal“ aus.
DIGITALE SOUVERÄNITÄT WIRD ZUM WETTBEWERBSTHEMA
Bei den genutzten Diensten dominieren US-Anbieter klar. 71 Prozent der KI-Nutzer
verwenden , 50 Prozent , 43 Prozent Microsoft Copilot und 35 Prozent Meta AI.
Europäische Angebote liegen weit dahinter, LeChat von Mistral kommt auf 4
Prozent.
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Stand: 08.12.2025
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Das passt nicht zum Wunsch nach mehr Unabhängigkeit. 72 Prozent sehen
Deutschland bei KI als zu abhängig von den USA. 67 Prozent würden gern eine KI
aus Deutschland nutzen, 65 Prozent sprechen sich für eine eigene KI aus der
Europäischen Union aus.
Wintergerst formuliert daraus einen industriepolitischen Auftrag: „Europa darf
sich bei KI nicht einseitig abhängig machen. Wir brauchen eigene, starke
Anbieter für unsere digitale Souveränität.“ Für Elektronikunternehmen betrifft
das nicht nur Softwaretools, sondern auch Datenräume, Edge-KI, Embedded AI und
industrielle Plattformen.
Bildergalerie
Der Wettbewerbsdruck zeigt sich besonders deutlich in der Automobilindustrie,
die für viele Elektronikunternehmen ein zentraler Absatzmarkt bleibt.
Wintergerst verwies darauf, dass chinesische Hersteller Entwicklungszyklen
massiv verkürzen und KI bereits breit für Simulationen nutzen. „In China wird
heute schon massiv beispielsweise Künstliche Intelligenz für die Simulation von
Prozessen eingesetzt“, sagte der Bitkom-Präsident. Während dies die
Entwicklungszeiten für neue Fahrzeuge im dortigen Markt auf zwei Jahre verkürzt
habe, brauche die deutsche Automobilindustrie hierfür dagegen noch nahezu die
doppelte Zeit. Für Zulieferer, Halbleiteranbieter, Embedded-Spezialisten und
Automatisierer bedeutet das: KI wird nicht nur ein Effizienzwerkzeug, sondern
ein Faktor für internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Auf die Frage nach der Rolle der Politik sagte Wintergerst, Deutschland und
Europa müssten im Technologiewettlauf mithalten und mehr Investitionen
ermöglichen. Regulierung dürfe Innovation nicht ausbremsen. Sein Fazit: „Wir
müssen auf jeden Fall in Technologie investieren, um nicht noch mehr digitale
Kolonie zu werden.“
Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal .
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